Die Schnirkelschnecke

"Wunderbare Wesen werden gerne schnell vergessen." Das trifft voll und ganz auf die Schnirkelschnecke zu. Dabei tritt sie relativ häufig auf und schleicht genau so oft auch wieder davon. Sie gehört zu den sogenannten Allesbewohnern. Überall dort, wo sich Schnecken niederlassen können, ist auch die Familie der Schnirkelschnecke mit mindestens zwei bis drei Arten vertreten: Auf oder unter Blättern, im Gras oder an Holzpfosten. Der gehäusetragende Vollschleimer erstreckt sich auch gerne in voller Länge über Fahrrad- und Forstwirtschaftswege.
Seinen Namen erhielt der Bauchfüßer nicht, wie manchmal irrtümlicherweise angenommen, von Jean-Jaques Schnirkel, einem elsäßischen Laienprediger und späteren Lebensgefährten von Albrecht Westerwelle, dessen Urenkel Guido derzeit als Bundesvorsitzender der F.D.P. die Familientradition hochhält. "Schnir, Schnir, Schnirkel", mit diesem Schneckengesang feiert die Schnirkelschnecke an feuchten Sommerabenden ihr Dasein in nur für feine Ohren hörbaren, höchsten Tönen. Ein weiteres Wunder der Natur: Während der Balz verfärbt sich das gelbliche Gehäuse des Pflanzenfressers je nach Erregungsgrad zart- bis knalllila.
Neben der ‘Mittleren’ sind auch die ‘Kleine’ und die ‘Große Schnirkelschnecke’ sowie in Höhenlagen die ‘Alpenschnirkel’ weit verbreitet. Hingegen selten anzutreffen ist heute die unter Naturschutz stehende ‘Rechtsdrehende Schnirkelschnecke’. In früheren Zeiten sah die Volksmedizin in ihr ein gern geschlucktes Gegenmittel, um dem Drehwurm beizukommen, der im ausgehenden 17. Jahrhundert große Teile Mitteleuropas in Bewegung versetzte.