Der Afterskorpion

auch: Kimmengreifer, Anusanwohner

"Ja, wos is’ denn des?" Ein kleiner, platter, dunkler Achtbeiner mit Greifzangen glänzt auf ihrer Fingerkuppe, die sie gerade noch ganz in Gedanken versunken zwischen Unterwäsche und Gesäß stecken hatten. Setzen sie ihn am besten wieder dorthin, wo sie ihn hergeholt haben. Es ist nur ihr Begleiter, der Afterskorpion. Einst lebten diese Kreaturen im Mulm von Baumstubben und hörten auf den Namen Mulmskorpione. Über Vogelnester und Komposthaufen näherten sie sich dem Menschen. Zuerst wohnten sie im Stroh der Stallungen, dann mit zunehmender Alphabetisierung stiegen sie zu den Bücherregalen empor und gingen dort auf die Jagd nach Milben und Staubläusen. Vom Bildungsbürger und Staubwedel aufgestöbert, rannten die gerade Buchdeckelskorpione getauften Tierchen aufgeregt mit erhobenen Zangen durch die Gegend. Ihre Suche galt einem Spalt, in welchem sie mit ihren flachen Körpern Geborgenheit finden konnten. Und so kam es wie es kommen musste: Der Mensch, präziser sein Anus wurde zum Aufenthaltsort für das jetzt zu Recht Afterskorpion genannte Insekt.
afterskorpion, pseudoscorpiones
Heute, nach einem 300-jährigen Triumphzug rund um den Globus, kommt der Afterskopion in Hinterteilen aller Klimazonen vor. Er zeigt keine farblichen Vorlieben, schätzt nach wie vor den Mulm, übersteht jedoch auch Sitzbäder und Freibadbesuche halbwegs glimpflich. Natürlich hatte man den Gesellen aus der 4. Ordnung der Spinnentiere zuerst mal zum bedrohlichen Ärgernis erklärt, doch schnell stellte sich heraus, dass sich weit, weit mehr Menschen durch Stichlingattacken oder Wollmausangriffe genötigt sahen, ihre Schuhe in die Ecke zu stellen. Der Afterskopion ist nicht nur ziemlich ungefährlich für seinen menschlichen Gastgeber, es hat sich auch gezeigt, dass er, einmal richtig domestiziert und etwas angeleitet, sich zu einem treuen und unermüdlichen Kämpfer gegen Hämorrhoiden entwickeln kann. Das Weibchen lebt mit bis zu 40 Jungen in einem selbstgefertigten Brutnest. Die dafür benötigten Spinnfäden, die es an der Bauchseite des zweiten Hinterkörpersegments ausstößt, wirken den lästigen Darmausstülpungen abwehrend entgegen. Tipps zur Haltung und Pflege: Tun sie dem Afterskorpion den Gefallen und machen ihm das Leben in ihrer Arschritze nicht unnötig schwer. Tragen sie keine zu enge Unterwäsche oder gar Stringtangas (auch genannt: der Feind des Afterskorpions). Kratzen sie sich, wenn es sein muss, nur mit sanftem Druck der Fingerkuppen. Das schmeichelt dem ganzjährigen Gesäßbewohner, er empfindet dies als wohltuende Massage. Vermeiden sie den Einsatz von Fingernägeln und harten Hilfsmitteln. Die Tiere könnten in Panik geraten und wahllos mit ihren Zangen kneifen. Vorsicht auch bei Einläufen, schon mancher Afterskorpion wurde in den Darmtrakt gespült, wo er sich hoffnungslos verirrte. Und vergessen sie bitte nicht, auch diese Kreatur benötigt Abwechslung oder möchte den Nachwuchs losbringen. Zeigen sie Verständnis und suchen sie deshalb gelegentlich den Kontakt zu ihren Mitmenschen.