Der Beutelstrahler

Im Unterkreis der Stieltiere nehmen die Beutelstrahler mit Fug und Recht eine ganze Klasse ein und führen dabei eine überwiegend festsitzende Lebensweise. Man sollte sie nicht mit den Beuteltieren, z.B. der Buschschwanzbeutelratte, verwechseln. Etwas mehr Gemeinsamkeit weist die bei uns heimische Sackratte auf. Zusammen mit den Beutelblinkern bilden die Strahler den Halbkreis der gelegentlich mehrarmigen Beutelleuchten. Die Kreatur Cystoidea - ihre ursprüngliche Bezeichnung - war bereits während der erdgeschichtlichen Formation des Ordoviziums am allerliebsten als Riffbewohner verbreitet. Irgendwann machten sich jedoch einige Vertreter auf zu Ufern, wo sie ihren jetzigen Namen erhielten. Bei den Bewohnern der Inseln Polynesiens erregten die in der Dunkelheit strahlend leuchtenden Exmeeresbewohner schnell Aufmerksamkeit. Sie ermöglichten nicht nur das Federballspiel in Neumondnächten, sondern wurden bald als zusätzliche Manneszierde entdeckt. Noch heute pflegen die männlichen Einwohner vereinzelter Inselgruppen ein Beutelstrahler-Exemplar an ihrem Hodensack zu befestigen, um damit eindrucksvoll zu signalisieren, dass sie sich auf Brautschau befinden. Die nach oben gerichtete Mundöffnung der Strahler ist von fünf Ambulakralrinnen umgeben. Fünf Ambulakralrinnen (Gleichberechtigungsdeutsch: fünf AmbulakralrInnen), das kann beileibe nicht jede Kreatur von sich behaupten. Dies ist keine schlechte Leistung, doch nur die wissenschaftliche Seite.
Dem Beutelstrahler gelang, was nur wenigen Kreaturen vorbehalten ist, er wurde zum Symbol, zum Wappentier. Die Mitglieder der Scharping-Jugend tragen den Beutelstrahler stolz auf der Gesäßtasche ihrer knielangen, himmelblauen Hosen. Der Ursprung der Verbindung Unterkreis Stieltier - Geistesmensch gründet in jener Zeit, als Rudolf Scharping noch als fahrender Student unterwegs war und Schlüsselerlebnisse wie diese mit eigener Feder schrieb:

Watete durchs dunkle Tal, tat staubige Höh’n erklimmen
stierte auf Mädchen von hinten, musste ein Lied ersinnen
winkte ein Beutelstrahler freundlich mit seinem Stiel
der Eingebung. Ich winkte zurück, war’s auch nicht viel.

Das nennt man wohl ein Denkmal, das diesem Geschöpf unseres Dschungels errichtet wurde. Der junge Scharping beschreibt eine übermächtige Natur, gegen die der einzelne Mensch samt seiner Begierde nur winziges, betrachtendes Beiwerk ist, ein sprachloses Nichts, hätte er nicht den Beutelstrahler als Übermittler gefunden. Wer jemals das Glück hatte, auf einer Nachtwanderung einem Schwarm Beutelstrahler und der trägen Schönheit ihrer Lichter zu begegnen, kann nur zustimmen. Fühlt man sich bei der bloßen Erinnerung an dieses unvergessliche Naturschauspiel wieder gefangen wie in einem außerirdischen Märchen. Der Beutelstrahler steht für die Epoche der Neoromantik wie keine zweite Kreatur.

Anmerkung: Sollten bei den Bundestagswahlen im September 2002 die Unionsparteien als Gewinner hervorgehen, dann wird der Beutelstrahler automatisch zum Wappentier der Friedrich Merz - Jugend ernannt.