Der Taschenspringer

In der 1. Unterordnung der Eichhörnchennager haben die Gattungen Dipodomys und Microdipodomys ihren Platz gefunden. Gelegentlich wechseln sie jedoch über in einen Gegenstand des alltäglichen Gebrauchs, was ihnen den Namen Taschenspringer eingebracht hat. Die Gattung Dipodomys kennt viele Arten. Der Handtaschenspringer und der Einkaufskorbspringer sind wohl als die häufigsten Vertreter zu nennen. Der vorwiegend in Umkleidekabinen beheimatete Sporttaschenspringer bezieht die nötige Feuchtigkeit aus dem dort angesammelten Schweiß. Vor Feinden zieht er sich in Sportsocken zurück. Sprungkräftig wie gefährdet ist der Texanische Satteltaschenspringer. Zu oft machen sich die Viehhüter einen Spaß daraus, die Kreatur mit einem Schuss aus dem Revolver in der Luft zu erlegen. Weniger bedroht sind hingegen der etwas blaß wirkende Aktentaschenspringer, der Jutebeutelspringer und der Plastiktütenhüpfer. Die Außenseiterrolle übernehmen verirrte Exemplare wie der schwäbische Maultaschenspringer oder der Käsetaschenspringer. Nicht unerwähnt bleiben sollte der am Ural endende Seitenast der Nataschenspringer. Bei den kleineren und zierlicheren Microdipodomys wollen wir uns nur kurz mit zwei Vertretern aufhalten, den Herrenbegleiterspringer - war in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gerne bei uns verbreitet - und den Westentaschenspringer.
Der Taschenspringer bewegt sich mit seinen auf 30 cm verlängerten Hinterfüßen fort. Sein Schwanz dient ihm dabei als Steuerruder. Die Ernährung variiert je nach Taschenart: alte Rechnungen, Hustenbonbons, frische und gebrauchte Papiertaschentücher, Schlüsseltäschen, vergessene Speisereste usw. Als ehemaliger Wüstenbewohner trieb er sein Wesen in trockenen Tälern und Ebenen, wo er sich am heißen Tag verbarg und erst in der Dämmerung auf Nahrungssuche begab. Entsprechend verlässt das Tier auch heutzutage nächtens seinen Unterschlupf, um sich in der Nähe abwechslungsreicheres Futter zu suchen. Zu dieser Zeit sind auch die größten natürlichen Feinde des Taschenspringers unterwegs: die Klapperschlange und die Prärieeule. Achten sie deshalb auf ihr Handgepäck, wenn die Schatten in die Dunkelheit übergehen und die beiden Räuber ihr Handwerk aufnehmen. Ansonsten werden sie hautnaher Zeuge von unglaulichen Jagdszenen in ihrer Umhängetasche. Was tun, wenn man überraschend zu einem Taschenspringer gekommen ist und ihn wieder los werden will? Ihn kochen und behaupten, man dachte, es wäre ein Taschenkrebs gewesen, das Behältnis zufällig über einem Straßenbahngleis verlieren oder einen Käfig kaufen. In vielen Fällen entschließt sich der Mensch zu Letzterem und liegt damit vollkommen falsch. Die Taschenspringer halten sich zwar gerne eine geraume Zeit in der gerade gewählten Tasche auf, doch im Grunde ihrer Natur sind sie Nomaden. Nutzen sie also diesen Umstand und platzieren sie ihre mit einer Kreatur besetzte Tasche, den Tragebeutel oder worin auch immer der Springer sich gerade eingenistet hat, unauffällig in der Nähe anderer Vehikel zur Beförderung der kleineren oder größeren Dinge unseres Lebens - und schon sind sie den kleinen Gast wieder los.