Die Taufliege

Eines der großen Opfer hartnäckig falscher Aussprache von Tiernamen ist und bleibt die Taufliege. Das kleine Insekt wird nämlich nicht, wie von über 99% der Menschheit fälschlicherweise angenommen, Tau-Fliege sondern Tauf-Liege ausgesprochen. Die katastrophale Tau-Fliegen-Aussprache hatte ergebnis- wie hilflose Versuche zur Folge, mit Hilfe der Kreatur Kühlschränke abzutauen oder winterlich eisglatte Straßen befahrbar zu machen. Es wurden sogar aberwitzige Anstrengungen unternommen, sich mit Taufliegenschwärmen einen Weg durch das Packeis zu bahnen. Darüber hinaus wurden sie auf allen Eissportplätzen mit Stadionverbot belegt. Ein Blick auf die von uns aus gesehen leicht östliche Geschichte zeigt, was es wirklich mit den kleinen Schwirrern der Taufliegen auf sich hat. Während sich in den ersten Jahrhunderten seines Bestehens das Christentum über den europäischen Kontinent ausbreitete und festigte, kam es immer wieder zu heute kaum mehr be- wie anerkannten Abspaltungen. Darunter befanden sich auch die schlawakisch-unorthodoxen Parallelchristen, welche zu ihrer Zeit im geographischen Rahmen Zakopane, Uschgorod und Bürstelitz einen gewissen Stellenwert einnahmen.
Natürlich gibt es leider zu viele wenig grundforschende Gelehrte und Tau-Fliegen-Verfechter, welche behaupten, die unorthodoxen Schlawaken hätten ihre zu taufenden Neugeborenen von Anfang an nicht über Wasserbecken gehalten oder in Bachläufe getaucht, sondern über vom Morgentau feuchte Wiesen gezogen, dort eben, wo sich die Taufliegen eben gerne aufhalten. Diese Vermutung liegt nahe, sehr nahe sogar für die oberflächlich arbeitende Mehrheit, doch die Wahrheit ist anders und weit wunderbarer. Zuerst einmal, die Schlawaken benutzten zur Abwaschung des Hauptes keine Taufbecken oder Taufsteine. Für die Zeremonie wurde der Täufling auf eine aus Stein gemeiselte oder geschnitzte Taufliege gelegt. Nun zur ehrenvollen Aufgabe unserer Kreatur: Die Hl. Walburgarova, kurz Burgl genannt und von den Schlawaken schon zu Lebzeiten sehr verehrt, kam eines frühen Morgens an einem Weiler vorbei, wo ein Priester händeringend auf und ab ging. Dort lebten nicht nur sehr arme Leute, es wurde diesen auch noch ein Kind geboren. Die jungen Eltern waren so arm, dass sie sich die vorgeschriebene Taufliege der schlawakischen Parallelchristen nicht leisten konnten. Jetzt war guter Rat und die Burgl gefragt. Ohne lange zu überlegen und als spätere Schutzheilige für alles, was kreucht und fleucht, rief sie die nächste Kreatur auf Gottes Erdboden um Hilfe an. Von den nahegelegenen Wiesen stiegen plötzlich tausende und abertausende kleiner Insekten auf, kamen zu dem Weiler, verhakten sich dort ineinander und formten eine Taufliege. Die Erbsünde wurde von dem Kind genommen und die Hl. Burgl seither immer mit einer Schar Taufliegen dargestellt. Dem schlawakisch-unorthodoxen Parallelchristentum war nur eine kurze Blüte beschieden. Die Geschichte der von nun an Tauf-Liegen genannten Kerbtiere blieb uns jedoch als schöne und glaubwürdige Überlieferung erhalten.